Abnehmen um jeden Preis – Wenn Schlanksein wichtiger wird als du selbst
- Corinna Fleiß

- 13. Apr.
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 26. Juni

Vielleicht kennst du dieses Gefühl: Der Wunsch, abzunehmen, beginnt ganz harmlos. Du möchtest dich wohler fühlen, etwas verändern, vielleicht gesünder leben. Und am Anfang fühlt es sich sogar gut an.
Doch manchmal verändert sich etwas auf dem Weg.
Aus einem Wunsch wird ein Ziel.
Aus einem Ziel wird ein Anspruch.
Und irgendwann steht nicht mehr das eigene Wohlbefinden im Mittelpunkt – sondern nur noch das Ergebnis.
Wenn Abnehmen mehr wird als ein Ziel
Abnehmen ist in unserer Gesellschaft allgegenwärtig. Es gilt oft als Disziplin, als Erfolg, als etwas, das man „geschafft“ hat. Schlank zu sein wird mit Stärke, Kontrolle und Attraktivität verbunden.
Was dabei leicht passiert: Das ursprüngliche Gefühl gerät in den Hintergrund.
Es geht nicht mehr darum, wie du dich fühlst, sondern darum, ein bestimmtes Bild zu erreichen. Und dieses Bild verschiebt sich oft weiter, sobald du ihm näherkommst.
Was einmal „genug“ gewesen wäre, reicht plötzlich nicht mehr.
Wenn das Abnehmen selbst zum Mittelpunkt wird
Es beschreibt nicht nur den Wunsch, Gewicht zu verlieren, sondern einen Zustand, in dem das Abnehmen selbst in den Mittelpunkt rückt – oft unabhängig davon, wie es sich innerlich anfühlt.
Was zunächst hilfreich oder motivierend erscheint, kann mit der Zeit immer mehr Raum einnehmen. Es wird zu etwas, das gehalten werden muss. Und manchmal zu etwas, das sich nicht mehr frei anfühlt.
Das Gefühl, schlank zu sein
Abnehmen kann sich gut anfühlen. Sehr gut sogar.
Vielleicht spürst du mehr Leichtigkeit.
Vielleicht bekommst du mehr Aufmerksamkeit.
Vielleicht fühlst du dich gesehen, bestätigt oder stärker.
Kleidung sitzt anders.
Blicke verändern sich.
Rückmeldungen werden positiver.
Dieses Gefühl kann tragen. Es kann motivieren. Und manchmal entsteht daraus etwas, das schwer loszulassen ist.
Denn es geht nicht nur um den Körper – sondern auch um das, was wir mit ihm verbinden.
Wenn der Körper leiser wird
Mit der Zeit kann sich der Fokus verschieben.
Essen wird nicht mehr danach gewählt, worauf du Lust hast, sondern danach, was „passt“. Hunger wird übergangen, Sättigung hinterfragt. Entscheidungen entstehen immer häufiger im Kopf – und immer seltener im Körper.
Vielleicht kennst du das:
Du denkst mehr über Essen nach, als dass du es einfach genießt.
Du kontrollierst, statt wahrzunehmen.
Du vertraust deinem Körper immer weniger.
Und oft geschieht das so langsam, dass es lange kaum auffällt. Erst mit der Zeit wird spürbar, dass nicht nur der Körper leiser geworden ist – sondern auch das Gefühl dafür, was einem eigentlich guttut.
Was oft im Verborgenen bleibt
Nach außen ist oft nur das Ergebnis sichtbar. Was dahinterliegt, bleibt meist unsichtbar.
Der Druck, es halten zu müssen.
Die Angst, wieder zuzunehmen.
Gedanken, die sich ständig um Essen oder den Körper drehen.
Verhaltensweisen, über die kaum gesprochen wird.
Manches fühlt sich nicht mehr stimmig an – und gleichzeitig fällt es schwer, etwas zu verändern. Auch deshalb, weil oft gerade das Ergebnis Anerkennung erhält, nicht aber der Preis, der dafür bezahlt wird.
Zwischen Kontrolle und Freiheit
Irgendwann kann ein Moment entstehen, in dem du merkst: So, wie es gerade ist, fühlt es sich nicht mehr wirklich frei an. Und trotzdem ist Veränderung nicht leicht. Denn das, was lange Sicherheit gegeben hat, kann sich irgendwann zunehmend belastend anfühlen.
Vielleicht war da die Gewissheit, dass nichts außer Kontrolle gerät. Vielleicht die Hoffnung, nicht zuzunehmen. Vielleicht auch die Anerkennung, die mit dem Ergebnis verbunden war. Und manchmal ist da die Angst, etwas zu verlieren. Oder nicht mehr zu wissen, wie sich Vertrauen in den eigenen Körper überhaupt anfühlt.
Was passiert, wenn all das nicht mehr da ist?
Und wer bin ich, wenn ich mich nicht mehr über Kontrolle oder ein bestimmtes Ergebnis definiere?
Vertrauen kehrt selten von heute auf morgen zurück. Oft ist es ein langsamer Prozess – ein Hin und Her, ein Ausprobieren, ein Zurückfallen und Weitergehen.
Vielleicht beginnt etwas genau dort: nicht in noch mehr Anstrengung, sondern in den kleinen Momenten, in denen du wieder wahrnehmen kannst, was sich für dich stimmig anfühlt. Nicht das, was sein sollte oder von dir erwartet wird, sondern das, was du selbst brauchst.
