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Ava Coreli und die Entscheidung | Über das Hadern mit einer Entscheidung und den Mut, nicht alles wissen zu müssen

  • Autorenbild: Corinna Fleiß
    Corinna Fleiß
  • vor 2 Tagen
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 2 Tagen

Frau sitzt gedankenversunken am See vor Bergen, in abstraktem Beige-Grau, mit ruhiger, melancholischer Stimmung.


Ava hatte die Entscheidung längst getroffen. Trotzdem kehrte die Frage immer wieder zurück: War es die richtige Entscheidung? Zuerst war es nur ein Gedanke gewesen, ein kurzer Zweifel, kaum größer als ein Schatten, der über eine Wand zieht. Doch je länger Ava darüber nachdachte, desto größer wurde er. Mit jedem weiteren Gedanken schien die Entscheidung weniger sicher zu werden. Sie erinnerte sich an das Gespräch vom vergangenen Abend. „Ich hätte es anders gemacht“, hatte jemand gesagt. Nur dieser eine Satz. Seitdem suchte Ava nach einer Antwort. Vielleicht hatte sie tatsächlich falsch entschieden. Vielleicht war sie zu unentschlossen. Vielleicht war sie schwierig, weil sie Entscheidungen traf und sie wenig später wieder infrage stellte. Ihr Herz begann schneller zu schlagen. Sie stand auf, ging zum Fenster und öffnete es. Die Luft draußen war warm. Ava blieb eine Weile stehen und atmete. Sie hatte das Bedürfnis, dass jemand zu ihr kam und sagte: „Du hast richtig entschieden.“ Dann könnte sie endlich aufhören, darüber nachzudenken. Und tatsächlich: Als später jemand genau das sagte, wurde es für einen Moment leichter. Nur für einen Moment. Am nächsten Tag hörte Ava eine andere Meinung. „Bist du wirklich sicher?“ Da war sie wieder, die Frage.


Sie setzte sich an den Tisch und nahm ein Blatt Papier. Auf die eine Seite schrieb sie die Gründe für ihre Entscheidung, auf die andere die Gründe dagegen. Dann fügte sie weitere Gründe hinzu. Und noch einen. Und noch einen. Irgendwann lag vor ihr ein Blatt voller Worte, aber keine Antwort. Ava sah darauf. Vielleicht, dachte sie, war genau das ihr Problem. Sie wollte nicht nur eine Entscheidung treffen. Sie wollte wissen, was die Entscheidung bedeuten würde. Für morgen, für nächste Woche, für ihr ganzes Leben. Sie wollte wissen, ob sie es bereuen würde, ob andere sie verstehen würden, ob sie später einmal zurückblicken und denken würde, dass sie alles falsch gemacht hatte. Dabei war die Zukunft noch gar nicht geschehen. Ava lehnte sich zurück. Ihr Herz schlug noch immer etwas schneller. Sie wusste nicht, ob die Entscheidung richtig war. Sie wusste es wirklich nicht. Und plötzlich bemerkte sie, dass sie seit Stunden versuchte, etwas zu erfahren, das niemand wissen konnte.


Sie stand auf und ging in die Küche. Sie machte sich einen Tee. Die Entscheidung war noch immer dieselbe. Die Zweifel waren auch noch da. Aber Ava fragte diesmal niemanden danach. Sie nahm die Tasse und setzte sich ans Fenster. Draußen bewegten sich die Blätter im Wind. Vielleicht würde sie die Entscheidung irgendwann bereuen. Vielleicht würde sie froh darüber sein. Vielleicht würde etwas völlig anderes geschehen, mit dem sie heute noch gar nicht rechnen konnte. Ava wusste es nicht. Und sie ließ es offen. Nicht weil es ihr egal war, sondern weil sie verstanden hatte, dass nicht jede offene Frage sofort eine Antwort brauchte. Sie nahm einen Schluck Tee. Dann stand sie auf und ging weiter mit ihrem Tag. Die Entscheidung durfte bleiben, wo sie war. Und die Zukunft durfte noch eine Weile ihr Geheimnis behalten.

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