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In der Welt von Elara | Zwischen Nähe, Stille und den Dingen, die oft verborgen bleiben

  • Autorenbild: Corinna Fleiß
    Corinna Fleiß
  • vor 2 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 18 Stunden

Person auf einer Bank mit Hund, im Herbst. Im Hintergrund eine Landschaft mit warmen, erdigen Farben. Entspannt und nachdenklich.


Kapitel Eins

Das leise Entfernen

Lumi liegt ruhig auf Elaras Schoß und schläft tief und unbekümmert, als wäre die Welt um ihn herum ruhig.


Vor ihr zieht sich der See beinahe regungslos bis an den hellen Horizont. Der Himmel wirkt farblos und weich zugleich, als hätte jemand alle Konturen verwischt.


Nur der Wind bewegt manchmal die trockenen Gräser am Ufer, während er sanft durch ihr kurzes dunkles Haar streicht.


Elara blickt in die Ferne, ohne wirklich etwas anzusehen.


Sie mag solche Nachmittage.


Nicht weil sie besonders wären.


Sondern weil dort niemand etwas von ihr erwartet.


Neben ihr bleibt die Bank leer. Weiter hinten läuft ein Paar langsam am Ufer entlang, irgendwo rollt ein Fahrrad über den Kiesweg und für einen kurzen Moment klingt ein entferntes Kinderlachen über das Wasser.


Alles wirkt ruhig.

Fast zu ruhig.


Lumi bewegt sich kaum. Sein kleiner warmer Körper auf ihrem Schoß beruhigt sie mehr als die meisten Gespräche inzwischen.


Lumi ist erst seit wenigen Monaten bei ihr.

Ein kleiner Beaglewelpe mit zu großen Pfoten, weichen Ohren und diesem ruhigen Blick, bei dem Elara manchmal das Gefühl hat, einfach nur da sein zu dürfen.


Seit Lumi da ist, wirkt die Wohnung weniger still.


Es gibt wieder kleine Routinen.

Morgenspaziergänge.

Leises Hundeatmen neben ihrem Bett.

Und jemanden, der sich ehrlich freut, wenn sie nach Hause kommt.


Elara ist Mitte dreißig und weiß längst, dass das Leben nicht automatisch leichter wird.


Wenn sie nicht gerade hier sitzt, arbeitet Elara in der sozialen Betreuung eines Seniorenheims am Rand der Stadt.


Sie organisiert kleine Nachmittage, sitzt mit den Menschen dort beim Kaffee, hört Geschichten zu, begleitet Spaziergänge durch den Garten oder hilft morgens manchmal beim Frühstück, wenn zu wenig Personal da ist.


Viele Menschen dort mögen Elara schnell.

Vielleicht, weil sie Menschen nie das Gefühl gibt, eine Last zu sein.

Manchmal sitzt sie einfach nur da und hört zu, während jemand zum dritten Mal dieselbe Geschichte erzählt.


Manchmal denkt Elara, dass Menschen erst im Alter beginnen, ehrlich über ihr Leben zu sprechen.


Sie trägt meistens warme Farben. Cremetöne, Braun und Dunkelrot.


Weite Cordhosen, lange Mäntel und Pullover, die ein wenig zu groß wirken, als würde sie versuchen, sich darin zu verstecken.


Ihr sehr kurzes dunkles Haar lässt ihre großen Augen und die feinen Sommersprossen auf ihren Wangen noch stärker auffallen.


Elara besitzt diese ruhige Art, bei der Menschen oft mehr erzählen, als sie eigentlich wollten.


In Elaras Leben gibt es Menschen, die ihr wichtig sind.

Freundinnen, mit denen sie lacht.

Menschen, die sich nach ihr erkundigen.

Menschen, die gerne Zeit mit ihr verbringen.


Und trotzdem begleitet sie seit Monaten das Gefühl, dass ihr etwas verloren geht, das sie selbst kaum benennen kann.


Nicht dramatisch.

Nicht laut.


Eher wie ein Nebel, der sich langsam über alles legt.

Konturen verschwimmen lässt und selbst schöne Momente plötzlich weiter entfernt wirken lässt, als sie eigentlich sind.


Als würde sie Gespräche führen, lachen, arbeiten und nach Hause gehen, ohne wirklich noch irgendwo anzukommen.


Das Seltsame daran ist, dass sie sich nicht einmal sicher ist, wann es begonnen hat.


Vielleicht ganz schleichend.

Zwischen Arbeitstagen.

Zwischen Nachrichten, auf die sie irgendwann nur noch später antwortet.

Zwischen Cafés, Musik und dem Gefühl, ständig erreichbar sein zu müssen.


Menschen erschöpfen Elara inzwischen schneller als früher.

Doch die Ruhe macht ihr mittlerweile genauso Angst.

Denn sobald es still wird, werden ihre Gedanken lauter.


Und irgendwo zwischen der Sehnsucht nach Ruhe und der Angst vor dieser Stille beginnt etwas in Elara leiser zu werden.


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