Der Raum zwischen zwei Menschen: Nähe im Alltag
- Corinna Fleiß

- 15. Sept. 2025
- 1 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 29. Jan.

Der Raum dazwischen
Ich sehe zwei Menschen miteinander sprechen. Sie stehen nah beieinander. Nicht berührend, aber auch nicht auf Abstand. Ihre Stimmen sind ruhig, die Sätze kurz. Dazwischen entstehen Pausen.
Es gibt eine kleine Bewegung nach vorne, dann ein kaum merkliches Zurückweichen. Ein Lächeln taucht auf, bleibt einen Moment und verschwindet wieder. Die Hände bewegen sich wenig, fast so, als würden sie etwas festhalten.
Während ich das beobachte, wird mein Blick langsamer. Etwas in mir bleibt an diesem Zwischenraum hängen. Da ist viel Nähe – und doch bleibt etwas stehen.
Ein Schritt wäre möglich. Vielleicht ist er sogar spürbar. Und trotzdem passiert nichts.
Ich nehme wahr, wie sich meine Schultern senken. Wie ein leiser Wunsch auftaucht und gleich wieder still wird. Nicht für mich, sondern für diesen Moment. Für das, was hier möglich wäre.
Das Gespräch endet. Die beiden gehen auseinander. Der Raum zwischen ihnen bleibt noch einen Augenblick bestehen.
Solche Zwischenräume entstehen im Alltag häufiger, als wir sie bemerken.
Wahrzunehmen, wie sich Spannung, Wunsch und Abstand zeigen, kann Teil unseres inneren Erlebens sein –ohne dass daraus etwas werden muss.
Der Raum bleibt noch da – auch wenn niemand ihn betritt.
