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Zwischen zwei Menschen – Wenn Nähe im Alltag spürbar wird

Autorenbild: Corinna Fleiß
Corinna Fleiß
17. März 2025
1 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 3 Tagen

Abstrakte Grafik mit verbundenen Kreisen in Blau, Ocker und Weiß auf rauem, verwaschenem Hintergrund mit Handabdrücken.
© LavendelGrün

Der Zwischenraum

Ich sehe zwei Menschen miteinander sprechen. Sie stehen nah beieinander – nicht berührend, aber auch nicht auf Abstand. Ihre Stimmen sind ruhig, die Sätze kurz. Dazwischen entstehen Pausen.


Eine kleine Bewegung nach vorn, dann ein kaum merkliches Zurückweichen. Ein Lächeln taucht auf, bleibt einen Augenblick und verschwindet wieder. Die Hände bewegen sich wenig, fast so, als hielten sie etwas fest, das nicht sichtbar ist.


Während ich sie beobachte, wird mein Blick langsamer. Etwas in mir bleibt an diesem Zwischenraum hängen. Da ist Nähe – und doch bleibt etwas unausgesprochen.


Ein Schritt wäre möglich. Vielleicht ist er sogar spürbar. Und trotzdem geschieht nichts.


Ich nehme wahr, wie sich meine Schultern senken. Wie ein leiser Wunsch auftaucht und im selben Augenblick wieder stiller wird. Nicht für mich. Sondern für diesen Moment. Für das, was hier möglich wäre.


Vielleicht sind es gerade diese Augenblicke, die uns etwas über uns selbst erzählen. Nicht das, was geschieht, sondern das, was geschehen könnte.


Das Gespräch endet. Die beiden gehen auseinander. Für einen Augenblick bleibt der Raum zwischen ihnen bestehen.


Vielleicht sind solche Zwischenräume überall. Im Alltag, in Begegnungen, in einem Blick, der etwas länger verweilt, als er müsste. In einem Satz, der nicht ausgesprochen wird. In einer Hand, die sich nicht hebt.


Wir nehmen sie selten wahr. Und doch spüren wir sie.


Wahrzunehmen, wie sich Spannung, Wunsch und Abstand zeigen, kann Teil unseres inneren Erlebens sein. Nicht alles, was wir fühlen, muss zu einer Handlung werden. Nicht jeder Wunsch verlangt nach Erfüllung.


Manchmal genügt es, einen solchen Moment nicht sofort aufzulösen.


Ihn einfach da sein zu lassen.


Der Raum bleibt – auch wenn ihn niemand betritt.

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