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Selbstakzeptanz – Wenn ein ruhigerer Umgang mit sich selbst entsteht

  • Autorenbild: Corinna Fleiß
    Corinna Fleiß
  • 4. Aug. 2025
  • 5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 4. Aug.

Abstrakte Grafik mit sitzender Figur auf Linie, umgeben von grün-gelben Formen und Kreisen auf hellem Hintergrund.


Ankommen bei mir selbst

Ich weiß nicht genau, wann meine Reise begann. Vielleicht war ich schon immer auf der Suche, ohne es zu bemerken. Irgendwann wurde mir klar: Ich möchte ankommen – nicht irgendwo, sondern bei mir selbst.


Vielleicht kennst du dieses Gefühl auch: den Wunsch, endlich mit dir selbst im Reinen zu sein.


Heute weiß ich, dass dieser Wunsch der Beginn eines Weges war – eines Weges hin zu mehr Selbstakzeptanz. Ein Weg, der oft leise beginnt und den viele von uns längst gehen, ohne ihn so zu nennen.


Ein Weg durch innere Landschaften

Am Anfang fühlte es sich so an, als würde ich durch einen dichten Nebel wandern. Jeder Schritt war unsicher. Alte Stimmen aus der Vergangenheit flüsterten:


„Du bist nicht genug.”

„Du musst anders sein.“


Mit jedem Schritt wurde das Flüstern leiser. Der Nebel lichtete sich langsam.


Irgendwann stand ich vor einem stillen See und blickte in mein Spiegelbild – all die Seiten, die ich ablehnte. Doch während ich hinsah, geriet das Wasser in Bewegung. Das Licht spiegelte sich auf der Oberfläche.


Da wurde mir klar: Ich bin nicht nur das, was ich nicht mag.


Ich bin Bewegung, Veränderung, Licht und Schatten zugleich.


Mit diesem Gedanken ging ich weiter.


Erfahrungen auf dem Weg

Ich durchquerte eine karge Wüste und lernte, mit dem auszukommen, was ich hatte. Dabei entdeckte ich, dass ich mehr aushalte, als ich dachte. Später erreichte ich eine blühende Wiese, auf der ich einfach blieb – ohne zu fliehen, ohne mich zu hinterfragen.


Unterwegs begegnete ich Menschen, die mir wie Spiegel waren. In ihren Worten und Blicken sah ich Seiten von mir, die ich selbst oft übersehen hatte: meine Stärke, meine Sanftheit, meine Einzigartigkeit.


Es gab Momente, in denen ich dachte, angekommen zu sein. Doch ich lernte: Die Reise endet nie. Und das ist kein Versagen, sondern ein Geschenk. Jeder Tag ist eine neue Etappe, ein weiterer Schritt zur Selbstakzeptanz.


So gehe ich weiter. Nicht mehr auf der Suche nach einem Ziel, sondern um mich selbst immer wieder neu zu entdecken – mit allem, was ich bin.


Selbstakzeptanz: Für mich ein Weg, kein Ziel

In diesem Text möchte ich mit dir teilen, was Selbstakzeptanz für mich bedeutet, warum sie oft so schwerfällt – und wie sich mein Blick auf mich selbst dabei verändert hat.


Meine Reise zeigt mir: Selbstakzeptanz ist kein Ziel, das ich irgendwann einfach erreiche. Sie ist ein Weg – oft uneben, still und manchmal herausfordernd.


So wie ich durch verschiedene Landschaften gegangen bin, erlebe ich auch Phasen voller Zweifel, Momente des Innehaltens und Verstehens. Jeder Schritt bringt mich ein Stück näher zu mir selbst.


Doch was bedeutet Selbstakzeptanz eigentlich? Und warum fällt sie uns manchmal so schwer?


Selbstakzeptanz aus psychologischer Sicht

Aus psychologischer Perspektive ist Selbstakzeptanz eng mit der Art verbunden, wie wir uns selbst begegnen. Forschung zu Selbstmitgefühl – etwa von Kristin Neff – zeigt, dass Menschen, die sich mit mehr Milde wahrnehmen, Belastungen oft gelassener tragen können. Nicht, weil Probleme verschwinden, sondern weil sich der innere Umgang mit ihnen verändert.


Selbstakzeptanz bedeutet dabei nicht, alles an sich mögen oder gut finden zu müssen. Sie beschreibt vielmehr eine Haltung, in der Stärken und Schwächen, Licht und Schatten nebeneinander bestehen dürfen – ohne dass daraus sofort Selbstverurteilung entsteht.


Diese Haltung bleibt nicht auf unsere Gedanken beschränkt. Sie beeinflusst auch, wie sicher oder angespannt wir uns innerlich fühlen. Wie eng psychisches Erleben und körperliche Regulation miteinander verbunden sind, zeigt sich besonders am Vagusnerv.


Der Vagusnerv verbindet Gehirn, Herz, Lunge und Verdauung und spielt eine zentrale Rolle dabei, ob unser Körper eher Ruhe oder Alarm signalisiert. Anhaltender innerer Druck und ständige Selbstkritik können diese Regulation erschweren.


Luc Swinnen beschreibt in Der Vagusnerv-Effekt, wie eng Selbstwahrnehmung, innere Haltung und körperliche Regulation zusammenhängen. Selbstakzeptanz wirkt deshalb nicht nur auf unsere Gedanken, sondern kann auch das Gefühl innerer Sicherheit stärken.


Gerade in Phasen von Erschöpfung oder Rückzug kann Selbstakzeptanz zu einer stillen Kraft werden – nicht als Leistung, sondern als Raum, in dem Körper und Psyche allmählich wieder zur Ruhe finden.


Warum Selbstakzeptanz oft schwer fällt

Ich kenne meine innere Kritikerin gut. Sie meldet sich besonders dann, wenn ich müde, unsicher oder erschöpft bin.


Dann flüstert sie:


„Du bist nicht genug.“

„Das passt nicht.“

„Warum schaffst du es nicht wie andere?“


Heute verstehe ich diese Stimme weniger als Angriff und mehr als Echo früherer Erfahrungen. Sie will mich nicht zerstören – sie erinnert mich an alte Prägungen, Erwartungen und Bilder davon, wie ich einmal gelernt habe, sein zu müssen.


Vielleicht kennst du diese Stimme ebenfalls. Sie wird oft lauter, wenn wir uns vergleichen oder glauben, schneller, besser oder erfolgreicher sein zu müssen. Viele dieser Gedanken entstehen nicht zufällig, sondern wurzeln in früheren Erfahrungen – in Blicken, Worten, Beziehungen oder gesellschaftlichen Erwartungen.


Diese innere Anspannung bleibt nicht auf unsere Gedanken beschränkt. Der Körper reagiert mit: Der Atem wird flacher, der Herzschlag schneller, die Muskeln spannen sich an. Das Nervensystem gerät leichter in einen Zustand erhöhter Wachsamkeit.


So wird verständlich, warum Selbstakzeptanz oft schwerfällt: Es geht nicht nur darum, anders über sich zu denken, sondern nach und nach auch ein tieferes Gefühl von innerer Sicherheit zu entwickeln. Dieser Prozess braucht Zeit – und verläuft selten geradlinig.


Wie sich Selbstakzeptanz zeigen kann

Selbstakzeptanz wächst nicht auf einmal. Sie entsteht in kleinen Momenten – oft leise, manchmal unscheinbar. Immer dann, wenn wir innehalten und uns selbst nicht mehr verändern, sondern einfach wahrnehmen.


Selbstfürsorge als innere Haltung

Selbstfürsorge beginnt dort, wo wir uns selbst zuhören. Vielleicht spürst du, dass du eine Pause brauchst, einen Spaziergang, ein Glas Wasser oder einfach ein paar tiefe Atemzüge. Selbstfürsorge zeigt sich oft darin, die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen – ohne sie sofort zu begründen.


Der Atem im Erleben von Ruhe

Der Atem kann ein stiller Anker sein. Viele Menschen erleben ihn als Halt, wenn sie sich überfordert fühlen. Solche Momente können helfen, wieder bei dir selbst anzukommen und mehr Ruhe und Sicherheit zu finden.


Bewegung und Körperwahrnehmung

Selbstakzeptanz zeigt sich auch darin, wie wir uns bewegen. Nicht, um etwas zu leisten, sondern um uns zu spüren. Eine kurze Dehnung am Morgen, ein Spaziergang im Regen, Tanzen im Wohnzimmer – all das kann helfen, um dich in deinem Körper wieder zu Hause zu fühlen.


Beziehung und Spiegelung

Wir lernen uns oft besser kennen, wenn wir mit anderen in Verbindung sind. Ein ehrliches Gespräch, ein gemeinsames Lachen oder einfach das Gefühl gesehen zu werden – das alles erinnert uns daran, dass wir nicht alleine sind.


Kleine Gesten, große Wirkung

Manchmal ändert sich etwas in uns, ohne dass wir es sofort bemerken. Wenn wir beginnen, freundlich mit uns zu sprechen. Wenn wir uns nicht für unsere Gefühle entschuldigen. Wenn wir bleiben – auch dann, wenn es unbequem ist.


Selbstakzeptanz lässt sich nicht erzwingen. Sie entsteht dort, wo Geduld, Offenheit und Aufmerksamkeit Raum bekommen. Manchmal zeigt sich Selbstakzeptanz nicht als Antwort, sondern als stiller Moment, der trägt. Vielleicht bleibt dieser Moment einfach da, ohne etwas verändern zu müssen.

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